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Der Inhalt in Kürze

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uropa am Vorabend des ersten Weltkrieges – in dieser wirren Zeit beginnt die Liebesgeschichte des jungen Berliner Husaren-Kadetten Wilhelm Freiherr von Schwemer und der französischen Weinbauern-Tochter Adèle Printemps. Die beiden kennen sich seit Kindheitstagen, als die Familie von Schwemer jedes Jahr im lothringischen Lagarde ihre Sommerferien verbrachte, wo Adèle lebt.
Als sie erwachsen werden, verlieren sich Wilhelm und Adèle aus den Augen. Wilhelm wird von seinen Eltern in die Berliner Gesellschaft eingeführt, er soll später die Geschäfte des Vaters übernehmen und die Tochter eines einflussreichen Geschäftsfreundes heiraten.
Bei einer Reise in die deutsche Afrika-Kolonie Togo wird Wilhelm verletzt und fährt nach Lagarde, um sich dort zu erholen. Hier triff er Adèle wieder, und sie erkennen, dass ihre Jugendfreundschaft die Jahre überdauert hat und zu mehr geworden ist: Liebe. Ihre gemeinsamen Zukunftspläne, die Wilhelm ohne das Wissen seiner Eltern schmiedet, werden vom Ausbruch des Krieges zunichte gemacht. Vor dem Hintergrund der Kämpfe in Frankreich, an denen Wilhelm teilnimmt, erscheint es aussichtslos, dass die beiden jemals wieder zueinander kommen. Nach dramatischen Ereignissen stehen sie sich schließlich gegenüber …

Wie es zu der Geschichte kam

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aum etwas hat mich mehr überwältig als eine Wanderung durch die Landschaft rund um Verdun. Nicht nur dass in der Stadt an der Maas etliche Baudenkmäler und Museen an den „Grande Guerre“ erinnern, dem hier und in der Umgebung eine halbe Million Menschen zum Opfer fielen (insgesamt verloren 17 Millionen ihr Leben durch den ersten Weltkrieg) – wer nur ein kleines Stück vom Wegesrand in die Landschaft hineingeht, stößt schon nach wenigen Schritten auf verfallene Unterstände, Reste von Schützengräben, die aussehen, als würden sich jeden Augenblick Soldaten aus dem Schlamm erheben, zerbröckelte Schutzbunker und überwucherte Gräber. Die von Millionen Granaten zerfurchte Landschaft – „rote Zone“ genannt, die weder bebaut noch beackert werden darf – sieht immer noch aus wie ein zerschundener Körper. Das Grauen, dem hier vor 100 Jahren junge Männer überwiegend aus Frankreich, England, Amerika und Deutschland ausgesetzt waren, ist heute noch mit Händen zu greifen. Ganz zu schweigen von Monumentalbauten wie das „Gebeinhaus“ von Deaumont und den Gräberfeldern drumherum, die sich von Horizont zu Horizont erstrecken.
Inzwischen sind diese Orte des Schreckens durch unzählige Fernseh-Dokumentationen in unser Bewusstsein gerückt. Als ich 2010 für meinen Roman zu recherchieren begann, war mir vieles nicht bekannt. So auch nicht die widerwärtigen Worte des ins niederländische Exil geflohenen deutschen Kaisers: „Das Sauvolk hat es nicht anders verdient.“ Nie zuvor sind Menschen so skrupellos der Eitelkeit und dem Machtwahn von Heerführern und Generälen geopfert worden. Es war ein Abschlachten, wie es die Menschheit bis dahin nicht kannte.
Die Idee, einen Roman über den ersten Weltkriegt zu schreiben, entstand im Büro meiner Agentin Lianne Kolf in München. „Bald jährt sich doch dieser furchtbare Krieg zum hundertsten Mal“, sinnierte sie, „da müsste man mal versuchen, mit einem Roman an den Start zu gehen. Dokumentationen wird es massenhaft geben, Romane weniger.“
Sie hat Recht behalten. Meines Wissens ist „Zeiten der Hoffnung“ das einzige neue Druckwerk, das sich in Romanform mit dem 1. Weltkriegt befasst.

Mein Ziel war es nicht, das Grauen der Schützengräben in den Mittelpunkt zu stellen. Das hat Remarque getan, und sein Buch ist nicht zu übertreffen. Meine Absicht war es, Untergang und Ende des europäischen Großbürgertums samt seiner Monarchien in diesen vier Jahren darzustellen. Das habe ich beispielhaft anhand der fiktiven Berliner Familie von Schwemer getan, von deren Welt an Ende fast nichts übrig ist, von ihr selbst auch nicht.
Auf Anraten des Verlages habe ich die Liebesbeziehung zwischen dem ältesten Sohn der Familie und der elsässischen Weinbauerstochter stärker ausgebaut als ich es ursprünglich beabsichtigt hatte. Der Verkaufserfolg des Buches gibt dem Verlag wahrscheinlich recht, dennoch war die Vermarktung als „Liebesroman“ irreführend für viele Leser, wie man in Internetforen nachlesen konnte.

Trotzdem ist dieses Buch Teil meines Lebens geworden ebenso wie „Leah“, denn die ausgiebige Beschäftigung mit den Zeitumständen haben meinen Blick auf die Ereignisse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erheblich verändert. Die naive Vorstellung vom Krieg, der „über die Menschen hereinbricht“ wie ein Tsunami, ist der Erkenntnis gewichen, dass hier – im Gegensatz zum 2. Weltkrieg, wo Soziapathen die Welt im Brand steckten – eiskaltes wirtschaftliches und finanzielles Kalkül die treibende Kraft war. Allein die Tatsache, dass deutsche Industriekonzerne alle an diesem Krieg beteiligten Parteien gleichzeitig mit Waffen belieferten, kann ich immer noch nicht fassen – Unternehmen, die 21 Jahre später dem nächsten wahnsinnigen Feldherrn zur Hand gingen und deren Namen heute noch mit Ehrfurcht und Respekt genannt werden.

Rezensionen

Hamburger öffentliche Bücherhallen: Das Romandebüt des Hamburger Journalisten Karsten Flohr überrascht positiv: ein souverän erzählter, von ironischen Untertönen und sarkastischen Spitzen durchzogener historischer Roman, der einem auf unterhaltsame Weise Einblicke in das gesellschaftliche und politische Leben zu Zeiten des Kaisers gibt. Für alle, die z.B. Daniel Kehlmanns ‚Vermessung der Welt‘ oder Julia Francks ‚Die Mittagsfrau‘ gerne gelesen haben, ein Vergnügen – sehr empfohlen!

Thalia Buchhandlung Hamburg: Karsten Flohr hat ein großartiges Zeitporträt geschaffen. Er beschreibt sehr gut die Hierarchie innerhalb einer Familie aus dieser Zeit und aus diesem Stand. Man bekommt Einblicke in die Kolonialpolitik Deutschlands, über das Leben der unterschiedlichen Schichten zu dieser Zeit, über die Situation der Frauen und über den Elsass-Lothringen Konflikt. Der Autor hat diese vielen Komponenten hervorragend zu einem gut lesbaren Roman verknüpft, der für diese Themenvielfalt überraschend kurz (nur 366 Seiten) geraten ist. Ich hätte gerne noch länger über diese Familie in dieser Zeit gelesen!

Hörzu: Karsten Flohr hat ein lebendiges Zeitgemälde vor sorgfältig recherchierten Hintergründen geschaffen. Spannend und zugleich nachdenklich stimmend.

Tina: Zeiten der Hoffnung von Karsten Flohr ist ergreifend. Eines dieser Bücher, die man nicht mehr aus der Hand legt.

WDR: Karsten Flohr ist ein nachhallendes Gesellschaftsportrait und eine tolle Liebesgeschichte gelungen, bei der das Lebens während des Kaiserreiches und das heraufziehende Grauen des Krieges die Hauptrollen spielen.

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Der Kaiser . . .

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… und seine Untertanen, als sie noch nicht wussten, was er wirklich mit ihnen vorhatte.