zeiten der hoffnung

„Das von Karsten Flohr beschriebene Szenario ist beklemmend, nicht nur die Naivität, mit der die Stimmung angeheizt wurde, sondern das rücksichtslose und feindlich gesinnte Antreiben von Emotionen ­– wie immer in Kriegen oder deren Vorbereitung herrscht das Denken vor, wir sind im Recht, ihr nicht. Wie man das so skizziert, entstehen auch die heutigen Konflikte alle noch nach dem gleichen Muster: Wir sind ja die besseren Menschen. Verachtung für Andersdenkende ist den Kriegstreibern immer ein Antrieb.Auf das Buch bezogen prallen hier die Sichtweisen der Franzosen mit denen der Deutschen aufeinander – genauso natürlich umgekehrt. Der Autor erzählt das alles am Beispiel einer einfühlsamen Liebesgeschichte, die die Hoffnung, es könnte alles anders kommen, ertastet.“

(Thomas Hocke)

 

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„Die Figur, die mich am meisten interessiert und gefesselt hat, ist Wilhelms Schwester Elisabeth, die sich gegen die starren Konventionen auflehnt und gerne einmal die Gesellschaft schockiert. Vor Risiken schreckt sie nicht zurück und hilft auch einer Hausangestellten, die schwanger geworden ist. Ob das geschilderte Szenario des Umgangs mit dem Baby realistisch ist, kann ich nicht beurteilen, ich empfand es als ein wenig unglaubwürdig.Recht unsympathisch Wilhelms Vater, irgendwie blass bleibt größtenteils seine Mutter, obwohl die Rolle der in Deutschland lebenden Französin sicherlich mehr Potenzial gehabt hätte. Erst am Ende gewinnt sie an Format, obwohl ich es merkwürdig fand, dass sie ihre Kinder (es gibt noch jüngere Geschwister Wilhelms) während des Krieges so lange auf sich gestellt zurücklässt, weil ihr das Landgut der Eltern offenbar wichtiger ist.

Die meisten Figuren entwickeln sich im Verlauf der Handlung positiv, bekommen mehr Substanz, je mehr ihnen durch den Aufbruch der Konventionen gelingt, sich in Richtung ihrer wirklichen Interessen zu bewegen. Gut dargestellt ist auch der „ganz normale“, damals alltägliche Rassismus, hier bleibt dem Leser stellenweise die schier die Luft weg, interessant die Einblicke in die Frauenbewegung.

Für den leicht irreführenden Klappentext wird der Autor nichts können, ich fand die Familiengeschichte mit Wilhelm als wichtigstem Protagonisten angenehm zu lesen, teilweise war sie richtig spannend. An einigen Stellen hätte es Potenzial für tiefergehende Darstellungen gegeben, die leider nicht genutzt wurden, die Liebesgeschichte hat mich nicht wirklich überzeugt.

Ein lesenswertes Buch mit kleineren Mängeln, das dennoch einige schöne Lesestunden garantiert.“

(Daniela Dreuth)

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„Ein Geschichtsroman über den 1. Weltkrieg, die deutsche Gesellschaft zu der Zeit, ihre Sitten und Gebräuche, ihren Verhaltenskodex, aber auch über die ersten Umbrüche wie z.B. den Kampf der Frauen für mehr Rechte. Zur Mitte des Buches konzentriert sich der Autor dann auf die Scharmützel und Gefechte des Krieges, Wilhelm als junger Soldat natürlich mittendrin. Mit seinen Augen erleben wir die Abartigkeit, das Grauen des Krieges, Glück und Pech, welche über das Überleben und den Tod dentschieden haben. An dieser Stelle hat mich das Buch auch zum ersten Mal richtig packen können. Was waren die jungen Männer doch am Anfang noch „heiß“ auf den Krieg: Den „Franzmännern“ wollte man zeigen, wo sie hingehören, völlig überzeugt war man von einem schnellen Triumph Deutschlands. Und dann diese Katastrophe … Ein zermürbender Krieg, Heckenschützen, Hinrichtungen, die gähnende Langeweile in den Schützengräben, Schießen, Weitervorrücken, im eiskalten Schlamm hocken und warten … Der Autor schafft es in diesem Teil des Buches sehr gut, die Absurdität des Krieges sowie die Desillusionierung der Soldaten greifbar zu machen. Auch die deutsche Besatzung von Elsass-Lothringen wird thematisiert, so dass ich zu diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte noch einiges lernen konnte.

Sprache und Schreibstil des Autors sind gelungen, es finden sich keine unnötigen Wiederholungen, die Geschichte schreitet stetig voran. Was mich manchmal etwas verwirrt hat, sind die Zeitsprünge. Bisweilen lässt der Autor Figuren etwas aus ihrer kürzlich erlebten Vergangenheit berichten, und ich musste mich erstmal sortieren. Auch ist nicht immer klar, wieviel Zeit zwischen einzelnen Kapiteln verstrichen ist. Zudem kam es mir manchmal so vor, als würden die Figuren in unserer modernen Zeit handeln und sprechen, der Abstand zur heutigen Gegenwart ist mir sprachlich nicht immer deutlich geworden.

Fazit: In der Darstellung der Kriegswirren ist das Buch wirklich gelungen, wer in die Zeit des Ersten Weltkriegs und die spätwilhelminische Epoche eintauchen möchte, dem kann ich das Buch mit seinen etwa 350 Seiten guten Gewissens empfehlen.“

(Kornmuhme)

 

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„Flohr versteht es ganz beeindruckend, Lokalkolorit und den Geist der damaligen Zeit einzufangen. Das Kaiserreich, Militarismus und starres Preußentum auf der einen Seite werden in geradezu fontanescher Manier beschrieben; auf der anderen Seite zeigt sich in Berlin aber eben auch die Epoche der Neuen Sachlichkeit, und die Frauen kämpfen um ihre Rechte auf Ausübung eines Berufes, studieren zu dürfen, das Wahlrecht, mehr Körperlichkeit. Und auch die Grausamkeiten und die Sinnlosigkeit des Krieges werden erschütternd dargestellt. Alles in allem ein gelungener Roman über eine Liebe, die sich in extremen Zeiten bewähren muss.“

(Martina Hamacher)

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„Die Liebesgeschichte ist zwar schön und schmückend, aber nicht der tragende Teil des Romans, der ist wesentlich vielschichtiger. So begeben wir uns erst mal nach Togo/Afrika, erleben dort Deutschland als „kolonialer Beschützer“, lernen Aiauschi, den schwarzen Sekretär und Lebensretter, kennen. Das fand ich so interessant, dass ich nicht böse gewesen wäre, wenn Karsten Flohr seine Geschichte dort angesiedelt hätte. Doch es folgt neben Berlin das Elsaß, Frankreich, Belgien und schließlich das Greuel des Ersten Weltkriegs. Man lernt die verschiedenen Lager kennen, aber auch Freundschaft, Kameradschaft in der Zeit des unsinnigen Krieges.Während jeder der Familie seinen Platz finden muss, sind auch die „Nebensächlichkeiten“ sehr informativ, z.B. die Stellung der Frau in dieser Zeit. Wilhelms Schwester Elisabeth sorgt dabei für manchen Wirbel und bringt ihren konservativen Vater häufig zur Weißglut. Die Frau der guten Gesellschaft trägt nun mal keine Hosen. Und selbst der Kaiser sagt, dass die Verantwortung im männlichen und weiblichen Bereich bleiben soll. Aus heutiger Sicht höchst amüsant.

„Zeiten der Hoffnung“ ist ein wundervoll lebhafter und anschaulich erzählter Roman mit den verschiedensten Charakteren an diversen Schauplätzen. Ich hoffe, bei diesem ersten Roman von Karsten Flohr wird es nicht bleiben. Vielleicht spielt der neue Roman dann in Togo, wovon ich zu gerne mehr gelesen hätte.“

(Wirbelwind)

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„Bevor ich das Buch zu lesen begann, dachte ich, es handelt sich hauptsächlich um eine Liebesgeschichte: ein Liebespaar, welches gegen die gesellschaftlichen Erwartungen ankämpft. Sicher geht es im Buch auch um diese Liebesgeschichte, aber sie drängt sich nicht in den Vordergrund. Es dreht sich vielmehr um den Krieg und seine Folgen, falsche Entscheidungen, gesellschaftlichen und politischen Umbruch und letztendlich ganz viele „kleine“ Schicksale. Die Charaktere sind allesamt glaubwürdig und überzeugend. Der Autor hat einen beeindruckenden Schreibstil. Viele der Szenen konnte ich mir sehr gut vorstellen. Sie liefen wie ein Film vor meinem inneren Auge ab. Beispielsweise als Wilhelm aus dem unterirdischen Bunker heraustritt und ein Bild der Verwüstung vorfindet. In solch einem Moment stockt einem wirklich der Atem.Der Patriotismus der Franzosen kam sehr gut rüber und hat mich wirklich beeindruckt. Ebenso vortrefflich beschreibt der Autor den Hochmut der Deutschen. Sich einzubilden, man wäre etwas Besseres und über alle anderen erhaben zu sein, ja, das war wirklich glaubhaft.

Fazit: Ich gebe zu, dass der Klappentext des Buches zum Teil falsche Erwartungen schürt, allerdings hat mich das überhaupt nicht gestört, denn meiner Ansicht nach hat das Buch viel mehr Substanz.

(barbwire)

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„Der Roman ist im Klappentext angekündigt als Liebesroman, was mich anfangs eher zögern ließ, das Buch zu lesen. Ich habe mich aber trotzdem dazu entschlossen und war sehr positiv überrascht, dass die Liebesgeschichte zwischen Adèle und Wilhelm zwar immer im Hintergrund präsent ist, aber doch insgesamt eine untergeordnete Rolle spielt.Mir hat dieses Debüt von Karsten Flohr im Verlaufe des Buches immer besser gefallen. Es zeigt, wie eine Familie aus altem deutschen Adel die Wirren des 1. Weltkriegs erlebt. Ich habe eine mir neue und interessante Sichtweise auf den Ausbruch des 1. Weltkriegs erfahren. Da ich nicht ein besonderer Fan von Liebesromanen bin, war ich eher erleichtert, dass die Liebesgeschichte zwischen Adèle und Wilhelm eher nebensächlich ist.

Ich empfehle das Buch Lesern, die interessiert sind in Familienromanen vor historischem Hintergrund. Wer einen gefühlvollen Liebesroman erwartet, wird vermutlich etwas enttäuscht werden.“

(Blizzardius)

 

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„Der Roman erzählt eine Liebesgeschichte vor und während des ersten Weltkriegs aus verschiedenen Perspektiven. Der Sohn einer gutbürgerlichen, kaiserstreuen Berliner Familie soll mit einer ebenso gesittten Frau vermählt werden. Sein Herz schlägt allerdings für seine Jugendliebe Adele aus Frankreich. Er kennt sie vom Weingut seiner Mutter, welche franzöischen Ursprungs ist. Im Laufe des Buchs spitzt sich die politische Lage in Europa immer weiter zu. Der Vater, Richard von Schwemer, ist als Deutscher in der Kolonie Togo tätig, die Mutter reist bald nach Frankreich, die Schwester verbleibt in Berlin, und Wilhelm muss in den Krieg ziehen. So ergeben sich vier verschiedene Perspektiven über das gesamte Buch, mit verschiedenen Charakteren und Wandlungen.Das Buch ist nie kitschig, auch wenn das Cover es vermuten lässt. Ganz im Gegenteil, das Buch ist sogar sehr politisch und historisch: Die Geschehnisse in Deutschland und den Kolonien werden sehr überzeugend und einigermaßen originalgetreu geschildert, alles ist durchweg nachvollziehbar. Die damalige Gesellschaft wird sehr gut porträtiert. Die Kriegsschilderungen und Nebengeschichten, welche sich im Laufe der Zeit entwickeln, sind erschütternd und sprechen den Leser emotional stark an. Das Buch ist also kein klassischer Kitschroman, wie man es vielleicht auf den ersten Blick vermuten würde, eher ein Roman über die politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse in Europa vor und während des ersten Weltkriegs. Nebenbei entwickelt sich aber auch der Handlungsstrang einer Liebesgeschichte, die aber nie stark im Vordergrund steht, sondern nur manchmal Motivation für bestimmte Wandlungen ist.

Insgesamt ein sehr gut lesbares, spannendes, bewegendes, mitreißendes und tolles Buch. Sehr zu empfehlen!“

(Leela)

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„Ein sehr ergreifender Roman inmitten des Ersten Weltkrieges. Ein Roman, der von Liebe und Hoffnung erzählt, der aber auch die Greueltaten des Krieges nicht auslässt.
Die Kaiserzeit hat mich bis zu diesem Roman nicht weiter interessiert. Dabei ist diese in ‚Zeiten der Hoffnung‘ äußerst spannend und auch informativ beschrieben. Die Zeit der ersten Autos. Der Beginn der Frauenbewegung. Die ersten wenigen Frauen in Hosen! Skandal! Andersfarbige Menschen, von den Kolonialherren als Souvenirs mitgebracht, die in Vergnügungsparks ganz normal begafft werden wie Tiere in einem Zoo. Noch gar nicht so lange her und doch eine völlig andere Welt. ‚Zeiten der Hoffnung‘  ein Roman, an den ich noch lange denken werde. Wunderbar geschrieben, sehr eindringlich und bildhaft. Unbedingt lesenswert!“

(Monika Schulte)

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Ein schön ausgearbeiteter Familienroman, der die damaligen Verhältnisse, Regeln und Maßstäbe deutlich in Szene setzt. Die nur im Hintergrund stattfindende Liebesgeschichte hätte man deutlich besser ausarbeiten können. Der Roman bietet schließlich die perfekten Grundlagen dafür.“

(Lauscher)

 

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„Ich bin wirklich keine Leseratte  Allerdings habe ich dieses Buch geschenkt bekommen und habe mich dann dabei erwischt, wie ich nicht mehr los davon kam! Muss sagen, ist sehr beeindruckend und wunderbar geschrieben! Kann es nur empfehlen!“

(Philip Reuter)

 

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„Mir hat dieses Debüt von Karsten Flohr im Verlaufe des Buches immer besser gefallen. Es zeigt, wie eine Familie aus altem deutschem Adel die Wirren des 1. Weltkriegs erlebt. Ich habe eine mir neue und interessante Sichtweise auf den Ausbruch des 1. Weltkriegs erfahren. Da ich nicht ein besonderer Fan von Liebesromanen bin, war ich eher erleichtert, dass die Liebesgeschichte zwischen Adèle und Wilhelm eher nebensächlich ist.
Ich empfehle das Buch Lesern, die interessiert sind in Familienromanen vor historischem Hintergrund. Wer einen gefühlvollen Liebesroman erwartet, wird vermutlich etwas enttäuscht werden.“

(Allegra)