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Der Inhalt in Kürze

B

runo (27) studiert Medizin im 16. Semester. Erfolglos, weil ihn nichts wirklich interessiert – außer Zeitmaschinen. Er schnorrt sich durch die WGs und Kneipen und ist mit Gott und der Welt befreundet, nur nicht mit seinen Eltern, die meistens durch die Welt jetten und von ihm erwarten, dass er promoviert und Hirnchirurg wird. Sie besitzen eine Waschsalon-Kette, die viel Geld abwirft, und immer wenn sie mal in der Stadt sind, nerven sie ihn.

Zeitmaschinen sind Brunos Obsession, er sammelt alles darüber und ist überzeugt davon, dass es in den 1920er Jahren einem gewissen Dr. Jonas, ein Zahnarzt aus Marburg, gelungen ist, eine zu bauen. Der Mann ist Thema verschworener Internet-Communities, die sich über ihn austauschen; er war urplötzlich verschwunden, nachdem er sich in die Maschine gesetzt hatte, die auf seinem Dachboden stand. Man nimmt an, dass er sich ins 16. Jahrhundert gebeamt hat, um die Hinrichtung des Ketzers Giordano Bruno in Rom zu verhindern. Bruno sucht nach Möglichkeiten, um Dr. Jonas zu warnen, denn er ist sicher, dass der Vatikan von den Plänen des Zahnarztes weiß und auch ihm an den Kragen will.

Giordano Bruno, der italienische Mönch, Astronom und Philosoph, ist Brunos Lebensthema. Ein Film über ihn, den er als Kind gesehen hatte, hat ihn aufgewühlt und nie wieder losgelassen, er war schon zweimal in der geschlossenen Psychiatrie deshalb. Aber abgesehen davon ist Bruno umgänglich und liebenswert, in der Kneipen- und Studentenszene ist er bekannt und beliebt wegen seiner Hilfsbereitschaft. Dass er überall Schulden macht, stört nicht, denn er zahlt stets zurück mittels des Tricks, dass er sich jedes Mal einen etwas höheren Betrag leiht, von dem er seine alten Schulden begleicht und noch etwas zum Leben übrig hat.

Da erbt Bruno überraschend die alte Villa seiner Großtante Ludmilla am Stadtrand und eine stattliche Summe Geld! Die Großtante war mit seinen Eltern zerstritten und hat deshalb ihn als Erben eingesetzt. Er zieht dort ein und benennt die Villa nach ihr. Das Haus stand lange leer, weil Ludmilla ihre alten Tage auf Mallorca verbracht hat, und es ist in keinem guten Zustand. Es dauert nicht lange, bis sich die Villa Ludmilla mit weiteren Sonderlingen füllt, die Bruno bei sich aufnimmt, lauter liebenswerte Zeitgenossen, die irgendwie mit dem Leben nicht klargekommen sind.

Als ersten Kurt, den Schlafwagenschaffner, der während der Arbeit heimlich die Fahrgäste fotografiert, um dem Geheimnis des Schlafs auf die Spur zu kommen, und der deshalb leider seinen Job verloren hat;

dann Werner, der Komponist, der weder ein Instrument spielt noch Noten kann, aber die Stimmen für seine Symphonie allesamt im Kopf hat, summend und dirigierend durch die Straßen geht und davon träumt, sein Werk irgendwann einmal aufzuführen;

Waltraut, die ehemals beliebte Fernseh-Wetter-Fee, die nun als Animateurin bei Busunternehmen arbeitet, die Tagesausflüge für Rentner machen und die noch einmal vor der Kamera stehen möchte;

Günter, der ehemalige Grenzbeamte, der früher mit dem Spiegel unter die Autos guckte und nun mit so einem Gerät durch die Straßen der Stadt geht und damit angeblich Frauen unter den Rock guckt;

Helga, die Drogerieverkäuferin, die gefeuert wurde, als herauskam, dass sie Seife gestohlen hat, um ihren Waschzwang auszuleben und in psychiatrischer Behandlung ist, was ihren Wunsch nach Vollbädern nur noch verstärkt;

Mr. Wang, der chinesische Koch, dem Neonazis immer wieder sein Restaurant anzünden;

Chantal, die Schulschwänzerin aus der Nachbarschaft, die Schutz sucht vor ihren verwahrlosten Alkoholiker-Eltern und den Häschern des Jugendamtes;

Amadou, ein sudanesischer Zoo-Wärter, der glaubt, in einem Alpaka seine verstorbene Mutter wiedergefunden zu haben und das Tier aus dem Tierpark befreien will; 1

11 Vietnamesinnen, die aus dem „Club Amphore“ rausgeflogen sind, weil sie der Russen-Mafia Geld schulden;

Ray, ein blinder Straßenhund.

Und ist da noch Wuast, Brunos bester Freund: Der geniale Computer-Schrauber, der wegen seiner wurst-artigen Haartolle Wuast genannt wird, ist immer im richtigen Moment zur Stelle, um größeres Ungemach abzuwenden und frisches Bier zu bringen. Und er hat die entscheidende Idee, wie man die Zeitmaschine in Gang kriegt.

Und natürlich Gudrun, Wuasts Schwester, die Krankenschwester und Brunos große Liebe ist.

Sie alle werden in der Villa Ludmilla zu einer verschworenen Gemeinschaft und versuchen, ihr aus den Fugen geratenes Leben neu zu sortieren. Und entdecken dabei, dass nichts unmöglich ist, wenn man es gemeinsam macht. Und dass man umso mehr Spaß hat, wenn man am wenigsten damit rechnet. Bruno findet trotzdem die Zeit, eine Zeitmaschine zu bauen, die schließlich wirklich funktioniert!! Wird er sein Idol Giordano Bruno vor dem Scheiterhaufen retten können?

 

Wie es zu der Geschichte kam

Dies ist mein erster nicht-historischer Roman. Trotzdem hat er eine Historie. Die beginnt vor 30 Jahren, als meine Frau Karin, die von Beruf Bibliothekarin ist, einen Schwung neuer Kinderbücher von der Arbeit mitbrachte, auf die sich die Kinder sogleich stürzten. Darunter war auch eines, das ich erst ein paar Tage später wahrnahm: Ich lag mit Erkältung im Bett und hörte aus dem Kinderzimmer seltsame Musik, wildes Klavierspiel wie von Cecil Taylor. In Wahrheit war es ein Wildschwein („Baby Hübner“ mit Namen), das da in dem Hörbuch des Kinderromans „Die Katze mit Hut“ musizierte. Seitdem habe ich mir die Gescichte wohl ein Dutzend mal angehört, meist im Autoradio, wenn wir mit den Kindern auf dem Weg in den Urlaub waren. Ich kann es nahezu auswendig. Es ist die Geschichte einer sehr eigenwilligen Katze, die ein leerstehendes Haus besetzt und dort allerlei streunende Tiere bei sich aufnimmt und eine Wohngemeinschaft bildet: ein Huh, ein Hund, ein Lama, einen Tausendfüßler und allerlei Getier, dass es nur in der Phantasie der Autoren gibt, zum Beispiel einen „Zappergeck“. Es ist eine wunderbar anarchisch und zugleich empathische Geschichte.

Schon damals dachte ich, das man die Grundidee dieser Geschichte aufgreifen und zu einem Erwachsenen-Roman machen sollte. Nun hab ich das gemacht. Meine Kinder haben das Buch noch nicht gelesen, ich bin gespannt, ob sie die „Katze mit Hut“ darin wiederentdecken.

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Das Denkmal für den Philosophen und „Ketzer“ Giordano Bruno (geb. 1548) in Rom auf dem Campo dei Fiori, genau an der Stelle, an der er am 17. Februar 1600 verbrannt wurde